Und da ich von unbändigem Verlangen dorthin gezogen wurde


… stets begierig, die ungeheure Fülle von allerlei seltsamen Formen zu
schauen, welche die findige Natur geschaffen, so gelangte ich, nachdem
ich eine Weile zwischen den düsteren Klippen umhergewandert war, zum
Eingang einer großen Höhle, vor der ich staunend eine Zeitlang
stehenblieb, weil ich nichts davon wußte. Mit gekrümmtem Rücken, die
linke Hand auf das Knie gestützt und mit der rechten die gesenkte,
gerunzelte Stirn überschattet, beugte ich mich immer wieder vor, bald
dahin und bald dorthin, um zu sehen ob drinnen irgend etwas zu
unterscheiden sei; aber daran wurde ich gehindert durch das tiefe
Dunkel, das dort herrschte. Und nachdem ich eine Weile so davor
gestanden hatte, regten sich plötzlich zwei Gefühle in mir, nämlich
Furcht und Begierde: Furcht vor der düster drohenden Höhle und Begierde,
zu erforschen, ob dort drinnen etwas Wunderbares sei…”

Leonardo da Vinci  (1452-1519)

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